Immer wieder beschäftigen sich Künstlerinnen und Künstler mit Deutschland und geben Einblicke in Themen und Stimmungen des Landes. Deutschland im Spiegel der Gegenwartskunst – das sind viele Werke, die aber kein festes Bild ergeben.


Blick zurück nach vorn ist auch ein Film über Berlin, da die Stadt wie ein Brennglas für die Geschichte und Veränderungen des Landes fungiert. Viele KünstlerInnen haben hier ihre Ateliers, so zum Beispiel die in Ost-Berlin geborenen Künstlerin Cornelia Schleime. In ihrem Werk spielt die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, der eigenen Identität eine wichtige Rolle. In ihrer Stasi-Serie Bis auf weitere gute Zusammenarbeit von 1993 stellt sie den Notizen ihrer Stasi-Akte ironische Selbstinszenierungen gegenüber. Die Arbeit gilt als eine der wichtigsten künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem politischen System der DDR.


Die Druckgraphiken des Wahlberliners Thomas Kilpper lassen sich am besten als politische Interventionen beschreiben. Der Künstler „besetzt“ leer stehende, politisch aufgeladene Räume und erzählt deren Geschichte, indem er den Boden holzschnittartig bearbeitet. Von seinen Aktionen zeugen nach Abschluss die Drucke, die Kilpper direkt vom Boden abnimmt. So hat er 2009 für State of Control den gesamten 800 Quadratmeter großen Linolfußboden der ehemaligen Kantine des Ministeriums für Staatssicherheit mit einem Mosaik aus Bildern versehen, die einen Bezug zur staatlichen Überwachung und Unterdrückung weltweit herstellen – damals und heute.


In Berlin befindet sich auch die Kunstsammlung des Deutsches Bundestages mit herausragenden zeitgenössischen Werken – etwa mit Gerhard Richters großformatiger Arbeit Schwarz Rot Gold (1999) oder Hans Haackes Installation Der Bevölkerung (2000). Aufgrund der politischen Stellungnahme des Kunstwerkes von Haacke kam es im Bundestag zu einer politischen Kontroverse. Nur mit einer knappen Mehrheit wurde das Werk angenommen.


Zum ersten Mal wird mit diesem Film das Thema Deutschland aus der Perspektive der zeitgenössischen Kunst filmisch behandelt. In den Statements der KünstlerInnen und KuratorInnen schwingt immer auch die Frage nach der nationalen Identität mit, wie sich Deutschland durch Globalisierung und Migration in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert hat und sich neuen Herausforderungen stellen muss. Anlässlich des 65. Geburtstages der Bundesrepublik Deutschland und des 25. Jahrestages des Mauerfalls wirft der Film einen „Blick zurück nach vorn“ und zeigt, wie sich ein Land in der Kunst spiegelt.


Buch und Regie: Maria Anna Tappeiner

Kamera: Lukas Schmid

Ton: Ulla Kösterke

Schnitt: Rune Schweitzer

Redaktion: Kathrin Brinkmann, ZDF/ARTE

Länge: 54:30 Minuten

Produktion: Gerd Haag Tag/Traum, Köln

Erstsendedatum: 01.10.2014, 22.00 Uhr, ARTE

Gerhard Richter: Schwarz, Rot, Gold, 1999 Kunstsammlung des Deutschen Bundestages

Mit den Künstlerinnen und Künstlern:


Katharina Sieverding, Gerhard Richter, Thomas Demand, Thomas Kilpper, Cornelia Schleime, Dan Perjovschi, Olafur Eliasson (Werkbetrachtungen von Joseph Beuys, Jörg Immendorff und Christoph Schlingensief)


sowie den Kuratoren: Klaus Biesenbach, Andreas Kaernbach, Susanne Gaensheimer, Udo Kittelmann und der Kunsthistorikerin Karin Thomas.